Sonntag, 20. Dezember 2015

Das Herz von Libertalia - Anna Kuschnarowa




Inhalt:


"Ein fulminanter historischer Roman – von der Sehnsucht nach grenzenloser Freiheit. Wortgewaltig, lebendig, unwiderstehlich. Irland, um 1700: Anne Bonny kommt als uneheliches Kind zur Welt und wird von ihrem Vater als Junge aufgezogen. Die Männerkleider verschaffen ihr Vorteile, aber Anne will sie selbst sein. Als junge Frau gilt sie als die »verlockendste und herausforderndste Schöne« von ganz Charles Towne. Doch »irgendeinen dieser gelackten Affen heiraten«? Nie im Leben! Zu groß ist Annes Hunger nach Freiheit, zu stark ihr Traum vom wilden Leben im sagenhaften Piratenreich »Libertalia«. Annes Herz entflammt für den Piratenkapitän James Bonny – sie brennt mit ihm durch und geht auf wüste Kaperfahrt durch die Karibik ..."




Zum Buch:


Gebundene Ausgabe: 461 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg; Auflage: Originalausgabe (8. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3407811875
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre


Meine Meinung:

****SPOILER ALERT****
In dieser Rezension befinden sich sehr viele Spoiler.
Meine Erwartungen: Als großer Piratenfan habe ich mir von diesem Buch extrem viel erwartet. Ich wollte von Anne mit auf ein raues Piratenschiff geschleppt werden, an der Reling stehen, die salzige Gischt in meinem Bart spüren und durch den Geruch von Kanonenpulver in einen Kaperrausch verfallen. Mit Anne an der Seite Schiffe plündern und mit Rum anstoßen.

Bekommen habe ich, eine rothaarige Frau, die mir mit einer kleinen Wasserspritzpistole ins Gesicht spritz, den Kanonenrauch und den Geruch mit billigen Silvesterknallern imitiert und sich ihrem Geschlecht im ganzen Buch nie ganz sicher ist.

Zum Buch muss ich sagen, ich war von vorne bis hinten nur enttäuscht. Es zieht sich wie der alte Kautschuk, den ein Pirat unter seinem Holzbein seit Kilometern mitschleppt. Anne, die zum Vorteil der Eltern bzw. des Vaters, als Tarnung, einmal als Junge verkleidet wird, gewöhnt sich ziemlich schnell an die Jungenrolle und deren Vorteile. Doch je länger man das Buch liest, desto schwieriger wird es herauszufinden, was sie überhaupt will. Ist sie als Junge unterwegs, prangert sie an, dass sie nicht als Frau wahrgenommen wird. Zeigt sie jedoch ihr wahres ich, ärgert sie sich, dass sie als Mann doch viel mehr Chancen hätte, und doch lieber dem anderen Geschlecht angehören würde. Das passiert im Buch zu oft.

Ihr Herz gehört der See, einem Piratenschiff, dem Meer. Solche Sehnsucht empfindet sie in ihrem Herzen und doch ist es so, dass sie ihre ersten Schritte auf einem Piratenschiff erst auf Seite 270 macht. 270 von 461. Naja das nenne ich mal eine lange Geburt.

Gut, die zehn Seiten die sie dann auf dem Schiff verbringt sind nicht zu erwähnen, da es ziemlich schnell wieder zum Landgang kommt.

Anne selbst ist in meine Augen keineswegs glaubwürdig beschrieben. Sie schimpft gegen Dirnen, leichte Mädchen, Huren und verliebt sich innerhalb von zwei Minuten in die Liebe ihres Lebens…vier mal. Und dazwischen, dürfen noch ein paar andere Piratenkapitäne ihren Mast auf ihrem Schiffchen platzieren. Doppelmoral schlechthin.

Die Anfangs angekündigte Suche nach Libertalia gerät immer mehr in Vergessenheit, je länger man an dem Buch verzweifelt und dient nur noch als Mittel zum Zweck.

Wenn der Hauptcharakter nichts kann und sich seiner Sexualität nicht sicher ist und von Kopf bis Fuß unglaubwürdig ist, dann muss doch der Antagonist der beste Charakter sein, den ein Autor/Autorin je geschaffen hat? Nein, das Buch hat keinen.

Es gibt zwar immer wieder ein Paar „Feinde“, die werden dann aber innerhalb von einer Seite überwältigt, mit einer Kinderlist, auf die kein erwachsener Mensch reinfallen würde. Die zweite Möglichkeit, die die Autorin leider zu oft einsetzt ist, Anne verliebt sich…erneut.

Die Autorin glaubt anscheinend auch, dass die Leute damals komplett einen an der Klatsche gehabt haben. Das Ende bestätigt diese Annahme.

Um zu meinem Fazit zu kommen:
Ich bin richtig enttäuscht von diesem Buch. Charaktere sind nicht durchdacht, die Story ist so seicht, dass kein Piratenschiff hindurch kommen würde. Selbstbetitelte Antagonisten sind fad, langweilig und für die übermächtige Anne keine Gegner. Ihre harte, zähe Piratencrew, die laut ihrer Aussage zu hundert Prozent hinter ihr steht, ergibt sich, nachdem das Schiff zum ersten mal gekapert wird ohne Gegenwehr und die Gefangen die Anne macht, werden entweder in die Crew aufgenommen, oder per Beiboot an einen Strand geschickt. Echt jetzt?

Ich kann diesem Buch nichts abgewinnen. Der ständige geschlechtliche Zweifel ist ermüdend und fad.

Zwei Dinge, die ich als positiv empfinde

1. Die Autorin hat einen guten Wortschatz, das muss man ihr lassen.

2. Es gibt kein offenes Ende, also keine Fortsetzung. Yes!

Wer sich dieses Buch antuen will, dem gebe ich einen Rat, bitte senke die Erwartungen aufs geringste und schnall dich an.

Dein Sebastian Kosch


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