Mittwoch, 29. November 2017

‚Der Schrecksenmeister‘ von Walter Moers



„Stellt euch den krankesten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt mit krummen Straßen und schiefen Häusern, über der ein schauriges schwarzes Schloss auf einem dunklen Felsen thronte.“1
Mit diesen Zeilen beginnt Walter Moers Roman ‚Der Schrecksenmeister‘ (2009), mit denen der Autor seine LeserInnen wieder einmal in die fiktive Welt Zamonien, diesmal nach Sledwaya, einer von Krankheit gebeutelten Stadt, entführt. Dort streunt der Protagonist Echo, eine Kratze (sprechende Katze), hungrig durch die Straßen. Abgemagert und dem Tode nahe begegnet er dem Schrecksenmeister Succubius Eißpin und schließt mit ihm einen verhängnisvollen Vertrag ab, um dem Hungertod zu entrinnen. „Ich werde dich in eine Welt der Genüsse führen, die noch keine Kratze betreten hat. Ich werde dich auf den Gipfel der Feinschmeckerei tragen, […]“2 das verspricht Eißpin der Kratze. Doch im Gegenzug für seine Gastfreundschaft will der Schrecksenmeister Echo bis zum nächsten Vollmond mästen und anschließend töten, um sein Fett zu gewinnen. Denn dieses fehlt Eißpin noch für die Durchführung seiner alchemistischen Experimente. Doch Echo setzt im Laufe der Geschichte alles daran seinem Schicksal zu entkommen, dabei stehen ihm eine Reihe von Verbündeten, wie die sprechenden Eier, der einäugige Schuhu, die Lederläuse, ein gekochtes Gespenst und die Schreckse Izanuela, zur Seite.
Eine Prise Wortspielereien, ein Schuss Skurrilität innerhalb des Figurenarsenals, das Ganze gewürzt mit parodistischen Elementen und verfeinert mit einer ordentlichen Portion Komik, nicht zu vergessen das Beifügen eines eiskalt berechnenden Antagonisten, der frei von jeglicher Empathie ist und im Verlauf der Handlung immer mehr dem Wahnsinn verfällt – das ist Walter Moers Rezept für seinen gelungenen Roman.
Geschickt inszeniert sich Moers als Übersetzer des ‚Schrecksenmeisters‘, eines kulinarischen Märchens von Gofid Letterkerl, welches von der fiktiven Hildegunst von Mythenmetz neu erzählt wird, und treibt somit auch im Paratext seinen Hang zum Sprachspiel genüsslich auf die Spitze.
Furchtlos kredenzt der Autor seinen LeserInnen eine Geschichte durchzogen von intertextuellen Verweisen, spielt tollkühn auf die Werke Kellers, Goethes und Tolkiens an und referiert ebenfalls auf die Vorgängerromane des ‚Schrecksenmeisters‘, die ihr Aroma innerhalb der Erzählung verbreiten.
Walter Moers hat einen Roman geschrieben, der nicht nur seinen Protagonisten Echo auf eine kulinarische Reise schickt, sondern auch den Lesenden einen unverkennbaren literarischen Genuss bereitet.

Informationen zum Buch:

Taschenbuch
Seitenzahl: 382
ISBN: 978-3492-25377-2
Verlag: Piper (München)

Der Schrecksenmeister: Ein kulinarisches Märchen aus Zamonien von Gofid Letterkerl. Neu erzählt von Hildegunst von Mythenmetz


1vgl. Walter Moers. Der Schrecksenmeister. München/Berlin: Piper 122016, S. 9.; 2vgl. ebd., S. 13

Verfasst von meiner lieben Freundin Daniela Kletzl. Vielen vielen Dank meine Liebe ich hoffe, dass durch deine wundervolle Gastrezi wieder mehr Schwung auf meinen Blog kommt. 
Ganz viel Liebe <3

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen